Autonomes Fahren: Crash

Welche Entscheidungsfreiheit sollte die Software autonomer Fahrzeuge haben? Völlig klar – keine. Verkehrsregeln sind nicht der Auslegung fähig: Vorfahrt zB ist eindeutig. Das gilt auch beim Spurwechsel. § 7 Abs. 5 StVO ist eindeutig, indem er erklärt, der Fahrstreifenwechsel ist nur ohne Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer erlaubt. Dh: Wartepflicht.

Die Software des Google-Car (Lexus RX 450h).tickt da anders: in einem Crash Mitte Februar scannte die Software ein Hindernis. Insofern kam es zum Spurwechsel, wobei einem Bus die Vorfahrt genommen wurde (Unfallbericht – pdf). Sowohl die Software, als auch der Testfahrer gingen davon aus, der Busfahrer werde Vorwahrt gewähren und/oder sei zu langsam.

Der Unfall wirft die Frage auf, welche nicht-technisch bedingten Entscheidungen der Code treffen darf. Geschwindigkeiten zu berechnen, dürfte für die Software Standard sein; Verständigungen über die Vorfahrt bzw. den Verzicht darauf, sind hingegen undenkbar. Für die Software hätte es ein Leichtes sein müssen, zu berechnen, ob ein Spurwechsel technisch möglich ist (Geschwindigkeit des Busses, Entfernung der Fahrzeuge, Beschleunigungsmoment usw.). Hier gab es dazu nur eine Option für die Software: das Fahrzeug musste warten! Alles andere wäre ein Programmfehler mit den entsprechenden Folgen für die Haftung des Halters. Etwaige Parameter für alternatives Handeln sind unzulässig. Für Alternativen fehlt schlicht der Ansprechpartner, bewegt sich das Fahrzeug im autonomen Modus im Straßenverkehr.

<Update 7/26/16> Am 23.03.16 ist in Deutschland das Gesetz zur Änderung der Artikel 8 und 39 des Übereinkommens vom 8. November 1968 über den Straßenverkehr (BR Drucks. 243/16, 7) in Kraft getreten. Danach sind die Vorausetzungen des Führens eines Fahrzeugs auch dann erfüllt, wenn Fahrzeugsysteme den einschlägigen (technischen) UN-ECE-Regelungen entsprechen oder die Systeme so gestaltet sind, dass sie durch den Fahrer übersteuerbar oder deaktivierbar sind.

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