Schadensersatz für Tim Kretschmer

Winnenden am 20.11.2006: T.K. tötet 15 Personen bei einem Amoklauf an seiner ehemaligen Schule. Schüler, Lehrer und „Unbeteiligte“ gehören zu den Opfern. Tatwaffe ist eine Beretta 92. T.K. hatte keinen Waffenschein; sein Vater schon. Dieser verwahrte die Waffe im elterlichen Schlafzimmer. Der leichte Zugriff auf die Waffe genügt dem LG Stuttgart (Urt. v. 1.2.2013 – 7 KLs 112 Js 21916/09), den Vater wegen Tötung und Körperverletzung im Wege fahrlässiger Begehung durch Unterlassen zu verurteilen. Ein schwieriges Urteil: die Kausalität des durchaus schlampigen Umgangs mit der Waffe für die Tötungs- und Verletzungsdelikte ist alles andere als naheliegend. Immerhin ging es um 15 getötete Personen. Wer, bitte, soll das mit der erforderlichen Konsequenz vorhersehen? Ein wohl politisches Urteil … .

Aktuell geht es um Schadensersatz. In Anknüpfung an das o.g. Urteil hat das LG den Vater nun dem Grunde nach zur Zahlung verurteilt (Urt. v. 7.8.2015 – 15.O.44/14). Geklagt hat die Unfallkasse Baden-Württemberg. Die kommt über § 116 Abs. 1 SBG X zu ihrem Anspruch. Heilbehandlungs- und weitere Kosten werden so im Wege des Regresses geltend gemacht. Es geht um 716.000 €. Illusorisch. Im Übrigen sieht sich der Vater zahlreichen Opferklagen und einer Klage der Stadt Winnenden gegenüber. Selbst wurde vor dem LG Heilbronn ( 1 O 220/12 R) erfolglos auf Schadensersatz gegen die den Sohn behandelnde Klinik in Weinsberg geklagt.

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